Ursula Schumm-Garling Mai 2020

Systemrelevant und unterbewertet. Frauenarbeit in der Corona-Pandemie.
Die Corona-Pandemie hat es an den Tag gebracht: Die Bedeutung der Arbeit von Frauen ist 
systemrelevant, ihre Arbeit wird jedoch in jeder Beziehung unterbewertet. Das ist zwar seit
Jahrzehnten bekannt, wird aber immer noch viel zu wenig skandalisiert. Laut dem Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt der Frauenanteil in den systemrelevanten
Berufsgruppen bei 75 Prozent. Als Krankenpflegerinnen und Ärztinnen kümmern sie sich um die
an dem Covid 19-Virus Erkrankten und sind stets in der Gefahr, sich zu infizieren. Als
Kassiererinnen -halten sie den Laden am laufen.- (Angela Merkel). Als Erzieherinnen und
Lehrerinnen betreuen sie die Kinder und Jugendlichen und leisten damit einen unersetzbaren Dienst
für die Entwicklung und die Bildung der heranwachsenden Generation und als Reinigungskräfte
schaffen sie Sauberkeit und die lebensnotwendige Hygiene. Gemeinsam ist diesen Berufen, dass
sie neuerdings als systemrelevant eingestuft, jedoch als -Frauenberufe- schlecht bezahlt werden.
Häufig leiden sie unter prekären Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen und ihre Arbeit wird
gesellschaftlich gering bewertet. Dabei bildet die Arbeitsleitungen von Frauen auch bisher die
unabdingbare Voraussetzung des gesellschaftlichen Lebens.
Wenn nun Politiker*innen sich bei diesen Beschäftigten bedanken, und die Öffentlichkeit ihnen den
verdienten Respekt zollt, indem sie an offenen Fenstern und von Balkonen klatschen, so kann diese
Wertschätzung nur der erste Schritt zu angemessener Bezahlung und verbesserten
Arbeitsbedingungen sein. Wenn Alten- und Krankenpflegerinnen, Reinigungskräfte oder
Kassiererinnen im Supermarkt zu -Heldinnen- stilisiert werden, werden damit in erster Linie
Defizite sozialer Institutionen überspielt. Heldinnen braucht es dort, wo Geld und Personal fehlen.
Es ist billiger kostenlos Wertschätzung zu verteilen als zusätzliches Personal einzustellen. Vorrangig
muss aber nach den Ursachen für die Missstände geforscht werden.
Am Beispiel der Reinigungsdienste lässt sich nachweisen, wie das neoliberale Spardiktat seit den
90ger Jahren durchgesetzt wurde. Die Reinigungsaufgaben wurden in gesonderte Betriebe
ausgegliedert (Outsourcing). Damit entfielen die Bindungen an allgemeinverbindliche Tarifverträge
bezogen auf Einkommen, Arbeitszeitregelungen und sonstige Vorgaben wie z.B. die Größe der zu
reinigen Flächen. Das Ergebnis waren Lohneinbußen und Intensivierung einer Arbeit, die bereits
schon vorher von prekären Verhältnissen geprägt ist. Die Systemrelevanz muss sich jetzt konkret
im Entgelt, in Arbeitszeitregelungen und der Verringerung des Arbeitspensums niederschlagen.
Die offen zu Tage getretenen Missstände in der öffentlichen Daseinsvorsorge machen deutlich, dass
die Politik der letzten Jahrzehnte die katastrophalen Zustände zu verantworten hat. Statt zu fragen,
wie viel Markt verträgt die Daseinsvorsorge und wie viel Staat ist für eine flächendeckende
Versorgung notwendig, handelten Politik und Kapital genau entgegengesetzt: So viel Markt und so
wenig Staat wie möglich lautete die Devise. Es gab bezeichnender Weise nur eine Ausnahme, das
war die Krise 2008/2009 als die Banken vom Staat, d.h. vom Steuerzahler gerettet wurden. Es hat
sich gezeigt, Staatsinterventionen an sich noch keine Garantie für eine progressive gesellschaftliche
Entwicklung. Die Versprechen, mit der Finanzierung auch Regulierungen zu verbinden – die Rede
war von öffentlicher und demokratischer Kontrolle – wurden in keinem Falle eingehalten. Als Fazit
bleibt zu vermelden, dass bei der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise die Austeritätspolitik massiv
die soziale Ungleichheit und die Geschlechterungleichheit befördert hat, die durch Kürzungen der
sozialen Infrastruktur bezahlt worden sind.

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Es steht zu befürchten, dass das Zeitfenster, das sich aufgetan hat, um aus der Corona-Krise
weitergehende Perspektiven für eine humane Zukunft zu entwickeln, sich sehr schnell wieder
schließen kann. Schon sind Stimmen zu hören, die davor warnen, die Krise sei so schwer und die
Wirtschaft sei so belastet, dass an Veränderungen im Hinblick auf grundlegende Korrekturen bei
Beschäftigung, Ökologie, Gesundheit oder Bildung nicht zu denken sei. Beispielweise von der FDP
wird geraten die -Eigenverantwortung- zu stärken, gemeint ist, staatliche Regulierung zu
minimieren und damit die Vorherrschaft des Privateigentums nicht in Frage zu stellen. Die
entscheidende Frage ist: Wird der Staat mit viel Steuergeld das bestehende System retten – oder
haben diejenigen eine Chance, die fundamentale Konsequenzen für unsere Wirtschafts- und
Gesellschaftsordnung ziehen wollen?
Die Welle der Privatisierung von Gemeingütern wie im Gesundheitsbereich aber auch bei der
Wohnungsversorgung, bei Post und Bahn, der Strom- und Wasserversorgung hat dazu geführt, dass
zu Gunsten der privatwirtschaftlich zu erwirtschaftenden Gewinne in erster Linie an Personalkosten
und sachgemäßer Ausstattung gespart worden ist. Das betrifft die Beschäftigten aber ebenso
diejenigen, die auf die Leistungen angewiesen sind.
Das auf Profit orientierte Gesundheitswesen stößt an seine Grenzen. Noch immer fehlt es an
Pflegepersonal, an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Krisenpuffer wurden abgebaut. Die
privaten Krankenhauskonzerne konzentrieren sich auf lukrative Behandlungen, die Einführung von
Budgets und Fallpauschalen machen aus Krankenhäusern Wirtschaftsbetriebe. Unrentable
Leistungen wie die Pflege oder die Hygiene müssen weichen. Die Beschäftigten in den jetzt so
gefeierten Infrastrukturbereichen bekommen bis zu 20 Prozent weniger Lohn als z.B. die
vorwiegend männlichen Beschäftigten im Automobilbau, dem Maschinenbau oder der Pharma-
Industrie. Daraus soll allerdings nicht der Schluss gezogen werden, die Lohnkosten in diesen
Branchen zu senken, und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern – ganz im Gegenteil. Die
Sparmaßnahmen in der Daseinsfürsorge führten schon in der Vergangenheit zu schweren
Erkrankungen und Todesfälle z.B. durch die resistenten Krankenhauskeime. Zynischer Weise
empfahl die Bertelsmann-Stiftung noch im Sommer 2019 jedes zweite Krankenhaus zu schließen.
Schon vor der Corona-Pandemie fehlten 80 000 Krankenpflegekräfte. Dieser Mangel ist
selbstverschuldet. Unter betriebswirtschaftlicher Sicht sind Pflegeleistungen unrentabel, obwohl die
Krankenpflegekräfte schlecht bezahlt werden und die Arbeitsbedingungen äußerst belastend sind. In
den letzten Jahren kündigten zehntausende Pflegekräfte wegen Überlastung. Gegenwärtig wird ein
ein weiterer Missstand deutlich. Die Gewinn maximierende Verlagerung von Arzneimittel oder
Verbrauchsmaterialien ins Ausland verbunden mit just-in time Lieferketten führt zu Engpässen bei
Medikamenten oder Atemmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Auch in den
Gesundheitsämtern wurden in den letzten Jahrzehnten bis zu einem drittel der Beschäftigten
eingespart. Pflichtaufgaben können nicht erfüllt werden. Gegenwärtig werden Aushilfskräfte für
eine begrenzte Zeit eingestellt, um Infektionsketten verfolgen zu können.
Die gesamte Infrastruktur der Daseinsvorsorge muss neu überdacht werden. Dazu muss über
Vergesellschaftung und Enteignung geredet werden und die Eigentumsfrage gestellt werden. Eine
bloße Verstaatlichung wird nicht die Lösung sein. Es geht vor allem darum, eine bedarfsgerechte
Versorgung der Bevölkerung, sowie eine angemessene Bezahlung und humane Arbeitsbedingungen
für die Beschäftigten ins Zentrum zu stellen.
Diese Betrachtungen dürfen nicht bis zu einem Zeitpunkt vertagt werden, bis die voraussichtlichen
Gewinner dieser Krise die Deutungshoheit gewonnen haben. Unionspolitiker drängen jetzt schon
auf eine Verschiebung der Grundrente. Vorschläge für eine einmalige Vermögensabgabe, mit der

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sehr Vermögende sich an den Folgekosten der Corona-Krise beteiligen sollen, stoßen auf eine
harsche Ablehnung, schon vereinbarte Lohnerhöhungen sollen ausgesetzt werden. Gefordert
werden von den Unternehmern vom Bund schnelle und unbürokratische Hilfen als "stille
Beteiligungen", d.h. der Staat soll keinen Einfluss auf die Unternehmenspolitik haben. Viele
Unternehmen haben ihre Sitze in Steueroasen und betrügen damit den deutschen Staat, obwohl sie
Kurzarbeitergeld bekommen, und sie fordern unverfroren weitere staatliche Hilfen, obwohl sie
weiterhin Boni an ihre Manager und Dividenden an ihre Aktionäre zahlen.
Der Verdacht drängt sich auf, dass die Kosten der Krise auf die Beschäftigten abgewälzt werden
sollen. Die von Hubertus Heil (SPD) und Jens Spahn (CDU) dekretierte Verordnung zu
Abweichungen vom Arbeitszeitgesetz infolge der COVID-19-Epidemie (COVID-19-
Arbeitszeitverordung – COVID-19-ArbZV der §14 wurde ergänzt durch einen neuen Absatz 4) vom
7. April 2020 ist gedacht als befristete Maßnahme von Mitte April bis 30. Juni 2020 um die
bestehenden Bedingungen des bestehenden Arbeitszeitgesetzes für eine diese Zeit auszusetzen.
Folgende Regelungen wurden für mehrere Millionen Menschen beschlossen, die im Gesundheits-
und Pflegebereich einschließlich der Apotheken arbeiten, die in Handel und der Logistik für Waren
des täglichen Bedarfs, der Verpackungsbranche oder der Müllabfuhr tätig sind. Diese Regelungen
gelten außerdem für viele weitere Beschäftigte wie beispielsweise für Rettungsdienste,
Feuerwehren oder Polizei ebenso für Beschäftigte in der Landwirtschaft, der Energie- und
Wasserversorgung sowie für die, die Datennetze und Rechnersysteme funktionsfähig halten.
Diese Regelungen enthalten folgende Maßnahmen:
1. Die werktägliche Arbeitszeit kann auf bis zu 12 Stunden verlängert werden.
2. Die tägliche Ruhezeit darf um bis zu zwei Stunden verkürzt werden, wobei eine Mindestruhezeit
von neun Stunden (bisher 11 Stunden) nicht unterschritten werden darf.
3. Arbeitnehmer*innen dürfen auch an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden.
4. Wird von den Abweichungen Gebrauch gemacht, darf die Arbeitszeit 60 Stunden wöchentlich
nicht überschreiten. Nur in dringenden Ausnahmefällen darf die Wochenarbeitszeit auch über 60
Stunden hinaus verlängert werden.
Es ist völlig ungewiss, ob nach dem 30. Juni diese Maßnahmen wieder zurückgenommen werden.
Die Arbeitgeberverbände begrüßen die entgrenzten Arbeitszeiten, laufen sie doch seit Mitte der
80ger Jahre (Kampf um die 35-Stunden-Woche) Sturm gegen ihrer Meinung nach starre und
unflexible Arbeitszeiten. Sie kämpfen gegen den Tarifvorbehalt und die Möglichkeit für die
Gewerkschaften, Einfluss auf die Gestaltung zu nehmen.
Ein Schelm wer Böses dabei denkt, wenn nicht höhere Entlohnung verbunden mit verbesserten
tarifvertraglichen Absicherungen und die Einstellung von mehr Personal angestrebt wird, sondern
unter dem Deckmantel der COVID-19 Krise eine Verlängerung der Arbeitszeiten durchgesetzt
werden soll.
Frauen halten nicht nur der Öffentlichkeit den Laden zusammen, sondern auch im privaten Bereich.
Viele Angestellte arbeiten in den vergangenen Wochen im Homeoffice und betreuen zu einem
großen Teil ihre Kinder, weil Schulen und Kitas geschlossen sind. Notlösungen werden für die
Frauen gefunden, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, die sich nicht von zu Hause aus
erledigen lassen; also diejenigen Beschäftigte, die in der Krise besonders wichtig sind. Neben der
Lohnarbeit steigt die Fürsorgearbeit, und die übernehmen nach bisherigen Erkenntnissen meistens
die Frauen. Denn die Entscheidung darüber, wer die häuslichen Arbeit übernimmt erfolgt nach
traditionellen Überlegungen: Wer ist der Hauptverdiener, wer ist flexibler im Job, wer kann
beruflich eher zurückstecken. Da Frauen häufiger in Teilzeit, in Minijobs oder im informellen

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Sektor arbeiten, übernehmen sie vermehrt die Care-Arbeit. Aus diesem Grunde haben sie auch
schon vor der Pandemie häufig beruflich zurückgesteckt. Es besteht die Gefahr, dass bestehende
Strukturen verfestigt werden.
Besonders hart trifft diese Situation die Alleinerziehenden, die besonders darauf angewiesen, ihre
Kinder während ihrer Arbeit gut versorgt zu wissen.
Ein weiteres Zeichen für den Pflegenotstand ist die Beschäftigung von ostmitteleuropäischen
Pflegerinnen in privaten Haushalten. Seit Jahren wurde das Thema Pflege von der Politik unter dem
Vorwand, der Staat solle sich nicht in private Angelegenheiten einmischen, in die Familien
verschoben. Eine professionelle Pflege in Deutschland ist für die meisten Familien nicht
finanzierbar. Für die Pflegekräfte aus Polen, Rumänien und anderen ostmitteleuropäischen Ländern
bedeutet dies eine geringe Bezahlung, ungeregelte Arbeitszeiten, häufig eine 24-Stunden
Bereitschaft und keinen vertraglichen Schutz. Sie leiden zudem an der langen Trennung von ihren
Familien. Sie machen dies, weil sie im Vergleich zu den Einkommen in ihren Heimatländern immer
noch finanziell besser gestellt sind. Durch die Corona-Krise werden die Ein- und
Ausreisebedingungen erschwert, so dass die Pflegekräfte in ihren Heimatländern verbleiben. Es
wird deutlich, das Pflegeregime in Deutschland steht unter großem Druck, es ist nicht nachhaltig
und den entsendenden Ländern werden dort dringend benötigte Fachkräfte entzogen. Es basiert auf
regional- und klassenbedingten Ungleichheiten.
Kontaktverbote und Ausgangssperren sollen gegen die schnelle Ausbreitung des Virus helfen.
Gleichzeitig werden die Menschen gezwungen, auf engstem Raum viel Zeit mit der Familie oder
mit Mitbewohner*innen zu verbringen. Diese Isolation kann häusliche Gewalt befördern. Laut einer
aktuellen UNO-Studie ist das eigene Zuhause ohnehin schon der gefährlichste Ort für Frauen und
Kinder.
Längerfristig gesehen werden es vor allem die Frauen sein, die finanziell unter der Krise leiden. Das
deutet sich schon in gegenwärtigen der Politik an, wenn die kurzfristig geäußerte Wertschätzung der
"Heldinnen" der Arbeit sich in Verschlechterungen der Arbeitszeiten niederschlagen oder sie mit
einmaligen Sonderzahlungen abgespeist werden sollen. Schlägt jetzt die Stunde, sozial- und
geschlechterpolitische Fortschritte rückgängig zu machen.
Die zutage getretenen Defizite und die Ineffektivität der Prävention offenbaren, dass die sog.
traditionellen Sicherheitssysteme – also Militär und Verteidigung – zwar hoch subventioniert aber
folgenlos für die menschliche Sicherheit sind. Es gilt neue und weiterreichende Risikobewertungen
und Folgenabschätzungen vorzunehmen und eine neue Sicherheitsarchitektur zu entwickeln. Damit
ergeben sich neue Prioritäten für zwischen- und Staaten übergreifende Lösungen. Pandemien,
Migration oder ökologische Katastrophen machen vor nationalen Grenzen nicht Halt. Vor allem die
weltweit expandierenden Militärhaushalte müssen eingefroren und perspektivisch gekürzt werden,
um nachhaltig in Gesundheit, Bildung, öffentliche Infrastruktur oder Klimaschutz zu investieren.
Es besteht die Gefahr, dass die wachsende Sehnsucht in der Bevölkerung nach einer Normalität "der
guten alten Vorkrisenzeiten" dazu führt, die Verhältnisse zu romantisieren und damit den im Grunde
überholten Vorstellungen vom Wirtschaftswachstum, einem angeblich stabilen Arbeitsmarkt und
den Annehmlichkeiten des Alltagslebens einschließlich umweltschädlichem Luxuskonsum den
Vorzug zu geben. Da wo der Markt versagt hat, ist es notwendig, grundlegende Korrekturen an den
Produktions- und Eigentumsverhältnissen vorzunehmen.
Konkret ist ein Paradigmenwechsel für die Sorgearbeit vorzunehmen: Dazu gehört zuvorderst, die
neoliberale Produktivitätslogik endlich zu durchbrechen;

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eine grundlegende Umverteilung von Investitionen in die Daseinsvorsorge zu realisieren;
bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit geschlechtergerecht aufzuteilen;
die Aufwertung und bessere sowie angemessene Entlohnung der sozialen Berufe vorzunehmen
einschließlich der allgemeinverbindlichen tarifvertraglichen Absicherung aller Beschäftigten.
Die schon vor der Corona-Krise sichtbaren Konflikte um den Schutz prekärer Arbeit, der
Verteilungsgerechtigkeit oder der Umweltstandards müssen aktiv angegangen werden und zu
Konzepten einer solidarischen Nachkrisenpolitik entwickelt werden. Dabei wird der Gesundheits-
und Sozialpolitik eine zentralen Bedeutung zugemessen werden müssen. Ein kurzes Zeitfenster hat
sich aufgetan, um Reformkräften in Parteien und Gewerkschaften eine Chance zu eröffnen, durch
konkrete Vorstellungen und konsequentes Handeln gesellschaftliche Prozesse mit einer
fortschrittlichen Perspektive in Gang zu setzen. Der Kampf gegen Corona ist ein zeitlich befristetes
Manöver durch das riskante Eingriffe in Bürgerrechte, in die Gesetzgebung und das Alltagsleben
vorgenommen worden sind. Gefordert ist dagegen ein dauerhafter und vor allem eine
Transformation in einen demokratischen, sozialen, ökologischen und geschlechtergerechter Prozess.